Türkischer Rechtsextremismus ist in Österreich seit Jahrzehnten organisiert. Den wichtigsten institutionellen Träger der klassischen Ülkücü-Bewegung bildet die Avusturya Türk Federasyon (ATF), die eng mit der türkischen Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) verbunden ist. Daneben bestehen weitere Vereinsstrukturen aus dem türkisch-nationalistischen und islamistisch-nationalistischen Spektrum. Sie sind Teil transnationaler Netzwerke und werden von politischen Entwicklungen und Akteur*innen in der Türkei beeinflusst.
Die Ideologie wird über Kultur- und Sportvereine, religiöse Angebote, Jugendaktivitäten, soziale Medien sowie geschichts- und erinnerungspolitische Bezüge vermittelt. Sichtbar wird sie etwa bei Demonstrationen, Wahl- und Siegesfeiern, Fußballspielen oder öffentlichen Veranstaltungen. Dabei werden nationalistische Symbole und Feindbilder verbreitet sowie politische Gegner*innen und Minderheiten eingeschüchtert oder angegriffen. Viele Aktivitäten finden jedoch innerhalb von Vereinen, Community-Räumen oder geschlossenen digitalen Gruppen statt und bleiben für die breitere Öffentlichkeit schwer erkennbar.
Eine österreichische Besonderheit ist der gesetzliche Umgang mit türkisch-rechtsextremen Symbolen. Seit 2019 verbietet das Symbole-Gesetz unter anderem den Wolfsgruß und ein weiteres Symbol der „Grauen Wölfe“. Die Organisationen selbst sind dagegen nicht verboten. Das Gesetz ermöglicht es, gegen die öffentliche Verwendung der Symbole vorzugehen, und setzt ein Signal, dass Rechtsextremismus nicht nur als mehrheitsösterreichisches Phänomen verstanden werden darf.
Zugleich zeigt sich die begrenzte Reichweite eines solchen Verbots. Das Monitoring des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) weist darauf hin, dass etablierte Vereine den Wolfsgruß in ihrer öffentlichen Kommunikation nur noch vereinzelt verwenden. Ideologische Bezüge bleiben jedoch über politische Narrative, Gedenkveranstaltungen und andere Symbole sichtbar. Außerhalb der offiziellen Vereinskommunikation wird der Wolfsgruß weiterhin gezeigt. Das Verbot verändert somit vor allem die öffentliche Darstellung, ohne die dahinterliegenden Strukturen und Einstellungen aufzulösen.
Der österreichische Umgang mit türkischem Rechtsextremismus ist bislang stark durch sicherheitspolitische und repressive Maßnahmen geprägt. Spezialisierte Präventions-, Bildungs- und Beratungsangebote sind dagegen nur begrenzt vorhanden. Zudem werden Vorfälle teilweise als Konflikte zwischen verschiedenen migrantischen Gruppen eingeordnet. Dadurch können die rechtsextreme Ideologie, asymmetrische Gewaltverhältnisse, innermigrantischer Rassismus und die Perspektiven der Betroffenen aus dem Blick geraten.
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