Wird türkischer Rechtsextremismus als „importiert“ oder ausschließlich „auslandsbezogen“ eingeordnet, geraten seine Entstehungsbedingungen und gesellschaftlichen Verflechtungen in Deutschland aus dem Blick. Er wird an den Rand der hiesigen Rechtsextremismusdebatte geschoben und Verantwortung nach außen verlagert. Auch transnationale Verbindungen werden einseitig dargestellt, wenn nur Einflüsse aus der Türkei betrachtet werden. Transnationalismus richtet den Blick auf grenzüberschreitende Beziehungen, Wechselwirkungen und Gleichzeitigkeiten.
Menschen und Organisationen handeln gleichzeitig in lokalen und grenzüberschreitenden Zusammenhängen. In Deutschland und anderen europäischen Ländern entstehen eigene rechtsextreme Organisationsformen, Deutungen und Mobilisierungen, die auch auf die Türkei wirken. Das in Duisburg gegründete Turan-Netzwerk hat beispielsweise später Ableger in der Türkei aufgebaut.
Digitale Räume sind dafür zentral. Über soziale Medien, Videos und Chatgruppen entstehen transnationale Öffentlichkeiten, in denen Akteur*innen an verschiedenen Orten unmittelbar aufeinander Bezug nehmen. Rechtsextreme Erzählungen, Symbole und Mobilisierungen werden dort gemeinsam verbreitet und weiterentwickelt. Onlineaktivitäten und Handlungen vor Ort greifen ineinander.
Zugleich beanspruchen türkische Rechtsextremist*innen Einfluss und Gefolgschaft über Staatsgrenzen hinweg. Nationale Zugehörigkeit und Loyalität werden unabhängig vom Wohnort eingefordert; politische Gegnerinnen werden auch außerhalb der Türkei als Feinde markiert und eingeschüchtert. Diese Machtansprüche wirken in den Alltag und die Handlungsmöglichkeiten von Menschen in Deutschland hinein. Solche Verflechtungen gehören ins Zentrum der hiesigen Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus.
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