Betroffenheiten im Kontext von türkischem Rechtsextremismus bezeichnen die individuellen und kollektiven Erfahrungen von Menschen, die durch Ideologien, Akteur*innen oder Praktiken des türkischen Rechtsextremismus direkt oder indirekt beeinträchtigt, bedroht oder ausgeschlossen werden.
Dazu gehören insbesondere Personen und Gruppen, die von türkisch-nationalistischen, rassistischen, antikurdischen, antialevitischen, antiarmenischen, antichristlichen, antisemitischen, antiziganistischen, queerfeindlichen oder anderen menschenfeindlichen Ideologien adressiert werden. Sie erfahren Betroffenheit in unterschiedlichen Formen, etwa durch Diskriminierung, Einschüchterung, sozialen Druck, Bedrohung oder Gewalt. Auch Loyalitätserwartungen innerhalb von Communitys sowie die Unsichtbarmachung oder Delegitimierung ihrer Perspektiven gehören dazu.
Diese Erfahrungen zeigen sich in verschiedenen Lebensbereichen. Charakteristisch ist, dass Menschen, die von türkischem Rechtsextremismus betroffen sind, sie sowohl im öffentlichen Raum als auch im Alltag innerhalb von Diaspora-Communitys und persönlichen Beziehungen machen. Durch familiäre, soziale und politische Verflechtungen können dabei besondere Dynamiken und zusätzliche Drucksituationen entstehen.
In pädagogischen Kontexten werden diese Betroffenheiten beispielsweise sichtbar, wenn Schüler*innen aufgrund ihrer kurdischen, alevitischen, armenischen, griechischen, jüdischen, roma und sinti oder anderer Zugehörigkeiten diskriminiert, bedroht oder unter Loyalitätsdruck gesetzt werden. Betroffene sehen sich zudem häufig in der Situation, ihre Erfahrungen selbst einbringen zu müssen, damit diese in öffentlichen und fachlichen Diskursen berücksichtigt werden und bestehende Machtverhältnisse in der Wissensproduktion hinterfragt werden können. Gleichzeitig berichten viele von mangelnder Anerkennung ihrer Erfahrungen durch gesellschaftliche und institutionelle Akteur*innen.
Betroffenheiten sind häufig intersektional geprägt. Das bedeutet, dass sie sich mit weiteren Diskriminierungsformen wie mehrheitsgesellschaftlichem Rassismus, antimuslimischem Rassismus, Sexismus, Klassismus oder Queerfeindlichkeit überschneiden und sich gegenseitig verstärken können. Antimuslimischer Rassismus kann dabei sowohl aufgrund zugeschriebener als auch tatsächlicher religiöser Zugehörigkeiten wirksam werden und Betroffenheiten zusätzlich prägen.
Neben individuellen Erfahrungen sind auch kollektive und historisch gewachsene Betroffenheiten zentral. Historische Gewaltverhältnisse, etwa der Genozid an den Armenier*innen und Pontos-Griech*innen, sowie die Völkermorde, Massaker und Pogrome von Dersim, Maraş, oder Sivas in der Türkei, prägen Communitys über Generationen hinweg und beeinflussen Sicherheitsgefühl, Vertrauen und gesellschaftliche Teilhabe.
Die Sichtbarmachung und Anerkennung dieser Betroffenheiten ist eine zentrale Voraussetzung für ihr Empowerment.
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