Türkischer Rechtsextremismus ist nicht auf die politischen Grenzen der Türkei beschränkt. Vielmehr verfolgt die Ülkücü-Bewegung ein ideologisch überhöhtes Fernziel in Form eines großtürkischen „Turan“-Reichs, verdichtet in der Formel „von der Adria bis zur Chinesischen Mauer“. Dieser Vision folgend operiert die Bewegung auch in Deutschland in einem transnationalen, diasporisch konstituierten Raum, der über ethnisch-nationale Zugehörigkeitsvorstellungen definiert wird.
Obwohl türkischer Rechtsextremismus in Deutschland historisch tatsächlich den Charakter eines „importierten“ Phänomens aufwies, greift diese Perspektive für die heutige Situation zu kurz. Sie wird den gegenwärtigen ideologischen und gesellschaftlichen Verankerungen nicht gerecht: Die Ülkücü-Bewegung ist in Deutschland angekommen und reproduziert sich über Vereine, Dachverbände, Szenetreffen sowie eigenständige Kommunikations- und Rekrutierungskanäle. Ihre politische Wirksamkeit entfaltet sich dabei in der deutschen Gesellschaft, in der Täter*innen und Betroffene denselben sozialen Raum teilen. Türkischer Rechtsextremismus ist damit ein transnational gerahmter, aber in Deutschland wirksamer Bestandteil des hiesigen Rechtsextremismusfeldes und stellt eine Herausforderung für die demokratische Kultur und die gesellschaftliche Vielfalt dar.
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