In Deutschland werden dem türkischen Rechtsextremismus vor allem Organisationen aus dem Spektrum der „Ülkücü“-Bewegung zugerechnet, die umgangssprachlich häufig als „Graue Wölfe“ bezeichnet wird. Zu den zentralen Dachverbänden zählen die Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e. V. (ADÜTDF, auch: Türk Federasyon), die ATİB – Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa e. V. sowie die Föderation der Weltordnung in Europa (ANF), die in älteren Zusammenhängen auch unter der Bezeichnung ATB (Verband der türkischen Kulturvereine in Europa) geführt wurde.
Nach Angaben des Bundesamts für Verfassungsschutz umfasst dieses Spektrum in Deutschland etwa 12.100 Personen, von denen rund 10.500 in Vereinen organisiert sind. Auf die ADÜTDF entfallen demnach etwa 7.000 Mitglieder in rund 200 Ortsvereinen, auf die ATİB ungefähr 2.500 Mitglieder in 25 Vereinen und auf die ANF etwa 1.000 Mitglieder in rund 15 Ortsvereinen. Hinzu kommt eine verbandlich nicht organisierte Szene von deutlich über 1.600 Personen, die vor allem in sozialen Medien sichtbar ist und dort häufig aggressiver auftritt als die etablierten Dachverbände.
Kennzeichnend für diese Verbände ist, dass sie nicht nur politisch agieren, sondern sich zugleich über Kulturvereine, Moscheegemeinden, Jugendgruppen sowie Sport- und Freizeitangebote sozial verankern. Viele Ortsvereine wirken nach außen gemäßigt und unauffällig; innerhalb des Milieus fungieren sie jedoch als Räume, in denen ein übersteigerter türkischer Nationalismus, ethnisch aufgeladene Gemeinschaftsvorstellungen und ausgeprägte Feindbilder vermittelt und reproduziert werden. Sicherheitsbehörden bewerten diese Strukturen deshalb als Träger einer Ideologie mit rassistischen, antisemitischen und völkerverständigungswidrigen Elementen.
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